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DGB Jugend DGB-Jugend Sachsen
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Veranstaltung "Gute Ausbildung für alle!"

Am 16. September führte die DGB-Jugend Sachsen gemeinsam mit der FES-Leipzig eine Veranstaltung zum Thema Situation auf dem Ausbildungsmarkt und Zukunft des dualen Berufsausbildungssystems durch. Als Experten der „Szene“ waren Prof. Dr. Rauner von der Uni-Bremen, Christof Voigt von der Abteilung Berufliche Bildung im Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft und Arbeit und Frank Schott vom Verein „Arbeit und Leben“ eingeladen. Ungefähr 40 interessierte Gäste waren zwei Stunden angeregt bei der Sache und diskutierten in der offenen Fragerunde der zweiten Hälfte der Veranstaltung angeregt mit. 

 

In seiner Eröffnung ging André Schnabel, Bezirksjugendsekretär der DGB-Jugend Sachsen auf die derzeitige Ausbildungssituation ein und erklärte, was die sächsische Gewerkschaftsjugend unter einer guten Ausbildung versteht. „Eine qualitativ hochwertige duale Ausbildung in einem Betrieb, der über die notwendige Ausstattung und das dafür geschulte Personal verfügt. Die Ausbildungszeit sollte drei bis dreieinhalb Jahre dauern und außerdem gehört auch eine faire, tarifliche Entlohnung dazu“, betonte Schnabel in seiner Vorrede. „Außerbetriebliche Ersatzmaßnahmen oder Vollzeitschulische Ausbildungen stehen für uns erst an zweiter Stelle“.

 

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand der Vortrag von Prof. Dr. Rauner. Rauner ist ein ausgewiesener Berufsbildungsexperte und beschäftigt sich bereits seit Jahren mit den Vorzügen des (deutschen) dualen Berufsausbildungssystems im internationalen Vergleich. Sein Fazit lautet, mit einem reformierten dualen Berufsausbildungssystem ist Deutschland den Anforderungen der modernen Arbeitswelt vollauf gewachsen. Es ist zum einen, volkswirtschaftlich gesehen, höchst effizient und garantiert zum anderen eine exzellente Ausbildung der Jugendlichen. Besonders im Vergleich zu stärker verschulten Ausbildungssystemen in anderen Ländern schneidet es besser ab. Deshalb bedauert er es auch sehr, dass auch in Deutschland die Diskussion in Richtung höhere Studierendenquoten geht und Länder wie England (über 50%), Schweden (über 70%) und Australien (über80%) als Vorbilder angebrisen werden.

Gerade am Beispiel Australien macht er klar, dass es nicht sinnvoll ist, über 80% der Jugendlichen mit einem Bachelorabschluss zu versorgen, wenn dann im Anschluss danach noch mal 2/3 von ihnen eine Berufsausbildung absolvieren, weil sie noch die notwendige praktische Erfahrung sammeln müssen. Den Qualifikationsstand, den die jungen Australier(innen) nach diesem Ausbildungsmarathon aufweisen, haben deutsche Jugendliche nach der Absolvierung einer drei bis vierjährigen Berufsausbildung mindestens auch.

  

Es gibt aber einigen Reformbedarf in Deutschland und der muss angepackt werden, damit das Berufsausbildungssystem zukunftssicher ist. Momentan ist die Ausbildungssituation in Deutschland davon gekennzeichnet, dass weniger als 50% aller Jugendlichen einen dualen Ausbildungsplatz erhalten, weil nur ungefähr die Hälfte aller ausbildungsfähigen Betriebe auch wirklich ausbilden. Dazu kommt, dass es die Schulen nicht schaffen, alle Jugendlichen ausreichend auf das kommende Arbeitsleben vorzubereiten. Auch hier sind wieder besonders Kinder aus sozial schwächeren Familien und Kinder mit Migrationshintergrund benachteiligt. Sie landen besonders oft in Übergangsmaßnahmen, die nicht zu qualifizierten Berufsabschlüssen führen. Jährlich werden Milliarden Euro an Fördergeldern und staatlichen Subventionen aufgewendet, um für diejenigen, die keinen Ausbildungsplatz erhalten, Alternativen zu gestalten.

Als Vorbild für das deutsche duale Berufsausbildungssystem sieht Rauner die Schweiz. Ihr gelingt es, dass über 70% der Jugendlichen, die eine Ausbildung nachfragen auch eine bekommen. Dabei wird in der Schweiz größtenteils auf zweijährige Lehrberufe verzichtet, stattdessen werden Berufe ausgebildet, die ein breitbandigeres Berufsbild vermitteln, als das in Deutschland oft der Fall ist. Als Beispiel nennt er die Kaufmännische Ausbildung, die in der Schweiz nur einen Lehrberuf kennt und nicht 15 wie in Deutschland. In Deutschland zerfasern die Berufsbilder zunehmend und jährlich kommen neue hinzu. Aktuellstes Beispiel für die Blüten, die das treibt, ist der/die Speiseeishersteller(in). Ein zweijähriger Lehrberuf.

Außerdem sind die Auszubildenden in der Schweiz im Durchschnitt 2 bis 3 Jahre jünger, was daran liegt, dass der Übergang von der Schule in die Berufsausbildung besser gelingt als bei uns. Ebenfalls ist die Durchlässigkeit von der beruflichen zur hochschulischen Bildung wesentlich höher als in Deutschland.

Als letzten Punkt des Schweizer Erfolgsgeheimnisses nannte er die „Bundesbehörde für berufliche Bildung“, die die Steuerung aus einer Hand ermöglicht. In Deutschland gibt es dagegen unzählige zuständige Stellen für das Thema.

 

Wenn wir uns in Zukunft über die Berufliche Zukunft in Deutschland unterhalten, lohnt also durchaus ein Blick über die Ländergrenze hinweg zu unserem kleinen, sympathischen Nachbarland.

 
 
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