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DGB Jugend DGB-Jugend Sachsen
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1. Sächsischer Ausbildungsreport 2009 vorgestellt

Am 15. Oktober hat die DGB-Jugend Sachsen den sächsischen Ausbildungsreport 2009 im Rahmen einer Pressekonferenz vorgestellt. Für den Ausbildungsreport sind 3.087 Auszubildende aller Branchen in ganz Sachsen zur Arbeitszeiten, Überstunden, Ausbildungsvergütung, Einhaltung von Ausbildungsplänen, Ausbildungszufriedenheit, Qualität der Ausbildung und Berufsschule u.a. befragt worden.

Das daraus entstandene Bild zur Ausbildungssituation aus Sicht der Auszubildenden ist differenziert. Wir finden gute Ausbildungsbedinunrgen, wie es das Berufsbildungsgesetz und die Ausbildungsrahmenpläne vorsehen und wir finden Ausbildungbsedinungen, die dem teilweise oder gänzlich widersprechen.

So werden Gesetze wie das Jugendarbeitsschutzgesetz oder das Arbeitszeitgesetz nicht eingehalten, Ausbildungsvergütungen liegen teils im sittenwidrigen Bereich. Frauen verdienen für die gleiche Arbeit weniger als Männer und auch die fachliche Qualität in manchen Betrieben wird als schlecht eingeschätzt wird.

Betriebliche Ausbildungen und größere Betriebe schneiden bei allen Fragen besser ab. Besonders hervorzuheben ist, dass, sobald Mitbestimmungsgremien wie ein Betriebsrat vorhanden sind, die Gesetze eher eingehalten werden, die Auszubildenden mehr verdienen, viel zufriedener sind und die Ausbildung mehr Qualität bietet.

Der Report bestätigt einmal mehr unsere Position: Gute Ausbildung für Alle.
Aus diesen Ergebnissen heraus fordern wir, die Stärkung der betrieblichen Ausbildung, eine verstärkte Kontrolle der Gesetze und Ausbildungsrahmenpläne, eine qualitativ gute Ausbildung in der nur fachlich und persönlich geeignete Mitarbeiter/innen ausbilden dürfen, eine angemessene Vergütung, die sich an tarifvertraglichen Regelungen orientiert und die gleiche Bezahlung von Männern und Frauen.

Die Mitbestimmungsrechte von Auszubildenden innerhalb und außerhalb der Betriebe müssen gestärkt werden. Dies wollen wir erreichen, indem wir die Auszubildenden für ihre Rechte sensibilisieren und sie zum Mitmachen in ihrer Interessenvertretung motivieren.

Ergebnisse in Kurzform:

Arbeitszeiten und Überstunden

12,9% der Auszubildenden arbeiten in der Woche mehr als 40 Stunden.24,6% leisten regelmäßig Überstunden. Sogar schon im 1. Ausbildungsjahr arbeiten Jugendliche mehr als sie sollten (2008: 19,5%). Besonders betroffen ist die betriebliche Ausbildung.Kleinere Betriebe verlangen von ihren Azubis häufiger Überstunden ab.13,8% (2008: 17%) bekommen keinen Ausgleich von Überstunden. Rechnet man diejenigen hinzu, die nicht wissen, ob sie einen Ausgleich bekommen, sind es 40,8%, die umsonst für ihren Ausbildungsbetrieb arbeiten.

Jugendarbeitsschutz

11,9% der unter 18jährigen arbeiten entgegen gesetzlichen Bestimmungen mehr als 40h/Woche. 17,2% leisten rechtswidrig regelmäßig Überstunden.

Ausbildungsvergütung

Die Ausbildungsvergütung liegt über alle Jahre und alle Ausbildungsgänge durchschnittlich bei 444,21€. Betrieblichen Auszubildenden steht fast doppelt soviel Geld zur Verfügung, wie nicht-betrieblichen Auszubildenden.Die Ausbildungsvergütungen schwanken stark nach Branchen und Betriebsgrößen. Außerdem liegen die Ausbildungsvergütungen zu häufig weit unterhalb von tarifvertraglichen Regelungen im Bereich der sittenwidrigen Löhne. Weibliche Auszubildende verdienen durchschnittlich 9,2% weniger als männliche Auszubildende.

Mitbestimmung

Mitbestimmungsgremien sind häufiger in der betrieblichen Ausbildung und in größeren Betrieben anzutreffen. Im Hotel- und Gastgewerbe und im Handwerk Ernährung gibt es in den seltensten Fällen Mitbestimmungsgremien. Mitbestimmung hat entscheidenden Einfluss auf Rahmenbedingungen und Qualität der Ausbildung: Azubis mit Mitbestimmung haben kürzere Arbeitszeiten, leisten deutlich weniger Überstunden, haben weniger Probleme bei der Einhaltung des Jugendarbeitsschutzes, die fachliche Qualität des Betriebes wir höher eingeschätzt und die Azubis sind allgemein zufriedener.

Anleitung durch Ausbilder/in

92,7% der Auszubildenden haben einen Ausbilder, jedoch gaben von diesen nur 70,5% an, dass diese Person auch verfügbar war. Häufiger als durch Ausbildende werden die Jugendlichen durch Mitarbeiter/innen angeleitet. Dies ist besonders in der betrieblichen Ausbildung der Fall. 13,7% gaben an, nur „selten“ oder „nie“ von Ausbildern angeleitet zu werden.

Ausbildungsqualität

Insgesamt fällt die allgemeine Bewertung der fachlichen Qualität im Betrieb gut aus (81,1% bewerten diese als „sehr gut“ bzw. „gut“). 91,5% derjenigen, die ein Mitbestimmungsgremium haben, treffen die gleiche Bewertung. In kleineren Betrieben nimmt dieser Wert ab.Zentrale Probleme sind die fehlende Einhaltung des Ausbildungsplanes, und ausbildungsfremde Tätigkeiten. In nur 37,3% der Fälle wird der Ausbildungsplan „immer“ eingehalten. Die Mehrheit der Auszubildenden wird also nicht richtig auf Prüfungen vorbereitet. Der Ausbildungsplan wird häufiger eingehalten, wenn Mitbestimmungsgremien vorhanden sind. 16,9% der Befragten verrichten „immer“ oder „häufig“ ausbildungsfremde Tätigkeiten. Durchschnittlich leisten Auszubildende 5,9 Stunden ausbildungsfremde Tätigkeiten pro Woche. 16,1% leisten mehr als 10 h/Woche ausbildungsfremde Tätigkeiten.

Persönliche Einschätzung der Ausbildung

75,8% sind mit der Ausbildung „sehr zufrieden“ bzw. „zufrieden“. Unterschiede zeigen sich in der Ausbildungsform. Betriebliche Auszubildende sind zufriedener (79,5%) als nicht-betriebliche (67,7%) Auszubildende.Noch größer sind die Unterschiede nach Mitbestimmung: mit sind es 86,2%, ohne nur 66,6%.

Ausbildungsabbruch

12,8% der Befragten haben schon einmal eine Ausbildung abgebrochen.

Übernahme

Die Übernahme nach der Ausbildung ist für 60,5% der Befragten unklar. Der Anteil derjenigen, die übernommen werden, liegt durchschnittlich bei 16,7%. Größer ist der Teil derjenigen, die wissen, nicht übernommen zu werden (22,8%).Das spiegelt den hohen Grad an Unsicherheit wider, mit dem junge Menschen beim Eintritt ins Berufsleben konfrontiert sind.

Branchenverbleib

58,5% gaben an, in der Branche bleiben zu wollen, 11,5% sind sich sicher, nicht in der Branche zu bleiben und 29,6% sind sich noch unsicher. Nicht-betriebliche Auszubildende wollen häufiger nicht im Ausbildungsberuf verbleiben (18,5%) als betriebliche Auszubildende (8,2%).70,5% der Auszubildenden mit einem Mitbestimmungsgremium geben an, in der Branche tätig bleiben zu wollen, ohne Mitbestimmung nur 55,4%. Am wenigsten wollen die Azubis im Hotel- und Gastgewerbe, im Handwerk Ernährung und im Handwerk Bau in ihrer Branche bleiben.

Den vollständigen Report gibt es hier:

 

 

Anlagen:
 Ausbildungsreport1953 Kb
 
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