Während des Bildungsgipfels der Bundesregierung am 22. Oktober in Dresden haben fairwork e. V. und die DGB-Jugend die „Goldenen Raffzähne 2008“ an die Firma x:hibit aus Berlin verliehen. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) hat im Mai eine Studie zur Situation zum Berufseinstieg, und speziell von Praktikantinnen und Praktikanten vorgestellt, die belegt, dass viele Praktika tatsächlich normale, aber schlecht/gar nicht bezahlte Arbeitsplätze sind und selten zu einer anschließenden Anstellung führen. Um zu zeigen, dass diese Situation fortan besteht, haben fairwork und DGB-Jugend aufgerufen, unfaire Praktikumsangebote oder Erfahrungsberichte unfairer Praktika einzureichen. Aus den zahlreichen Einsendungen wurde die Firma x:hibit als das Unternehmen ausgewählt, dass die am wenigsten fairen Bedingungen bietet.Vorgeschlagen wurde x:hibit von einem ehemaligen Praktikanten. Er berichtet, dass die Hälfte aller x:hibit-Mitarbeiter als Praktikanten beschäftigt sind - gern mit abgeschlossenem Studium und vorheriger Praktikumserfahrung auf ihrem Gebiet. Doch nicht nur dadurch spart das Unternehmen massiv Personalkosten, sondern auch durch die täglichen Überstunden, welche die Praktikantinnen und Praktikanten aufgrund des großen Arbeitspensums leisten. Auch wenn fairwork und die DGB-Jugend wissen, dass kostendeckendes Arbeiten im Kulturbereich nicht einfach ist, ist ihre Forderung: Faire Löhne für faire Arbeit!
Der „Raffzahn 2008“ wurde im Rahmen des Alternativen Bildungsgipfels verliehen, der von einem Aktionsbündnis aus Studierenden, Schülerinnen und Schülern, Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern auf dem Theaterplatz in Dresden organisiert wurde. Am Vormittag fanden mehrere Workshops rund um das Thema Bildung statt und endete mit einer Demonstration für bessere Bildung und gegen den Bildungsgipfel von Bund und Ländern. Denn die seit Jahren anhaltende politische Debatte um bessere und gerechtere Voraussetzungen im deutschen Bildungssystem hat gezeigt, dass sich die Situation eher verschärft als verbessert. Dies umfasst sowohl die frühkindliche Bildung als auch die schulische Bildung, trifft Jugendliche, die einen Ausbildungsplatz suchen ebenso, wie solche, die sich keinen Studienplatz leisten können. Nach OECD-Zahlen hinkt Deutschland hier ordentlich hinterher: Während im Schnitt der Industriestaaten 56 Prozent eines Jahrgangs ein Studium beginnen, schwankt diese Zahl in Deutschland zwischen 35 und 37 Prozent. DGB-Bundesjugendsekretär René Rudolf: "Der bevorstehende Bildungsgipfel ist aber eine Chance, diese Probleme anzupacken."Bereits 20. Oktober 2008 haben die Gewerkschaften – mit Verweis auf den nationalen Bildungsbericht 2008 der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit (OECD) – auf dem DGB-Kongress "Neue Bildung für das Land – DGB-Kompass zum Gipfel" in Berlin Anforderungen an das Dresdner Treffen zusammengetragen.DGB-Pressemitteilung zum Bildungsgipfel: http://www.dgb.de/presse/pressemeldungen/pmdb/pressemeldung_single?pmid=3309 DGB-Jugend: Kritik am Bildungsgipfel in der Zeitung „junge welt“ vom 21. Oktober 2008 http://www.jungewelt.de/2008/10-21/003.php |